Beschlagenes Küchenfenster

27 Feb

Der Schnee lag immer noch in den Winkeln seines Gartens, obwohl seit Wochen kein neuer gefallen war. Die ersten Vögel zwitscherten, sechs Uhr dreißig am Sonntagmorgen. So oder so – es würde Frühling werden, schon in ein paar Wochen, auch wenn er jetzt ferner denn je schien.

Er wandte sich vom beschlagenen Küchenfenster ab, noch immer das iPhone in der Hand. Auf dem Display überflog er zum siebten Mal die Mail, die er vor Stunden geschrieben hatte, aber noch nicht abschicken wollte. Nur ein Klick, dann wäre alles anders.

Er öffnete jetzt die Terrassentür und trat in den kalten Morgen hinaus, in Jeans und Sweatshirt. Die eisige Morgenluft umhüllte ihn, fünf Sekunden freundlich, zwanzig Sekunden fragend, nach dreißig Sekunden grimmig. Er atmete aus und sah seinem Atem nach, der nach einem halben Meter in der Nacht verschwand. Konnte er das nicht auch?

Es ging nicht. In einer halben Stunde wäre es ganz hell, das ließ sich nicht vermeiden, so wie sich alles andere auch nicht vermeiden ließ. Er ging zurück in die Küche, schloss die Tür, entriegelte das iPhone – und drückte ab.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: