Heimkehr.

23 Nov

Und dann gehst du schnellen Schrittes die Brücke hoch, quetscht dich auf die Rolltreppe, alle haben es wieder eilig, bloß kein Stillstand, auch wenn die Koffer dadurch nicht schneller ausgeladen werden, hasten ihnen trotzdem alle hektisch entgegen, zackzack, wir wollen die Ersten sein, schon an diesen gemessenen Schritten könnte man die Flughäfen dieser Welt erkennen. Das ist spießig, natürlich, aber dir ist das egal, du bist zu Hause jetzt, das ist immer ein schönes Gefühl, egal, wie lang die Reise war, egal, wie lange sie dauerte. Auch wenn das Umsteigen in Wien, diesem seit dem Umbau im Sommer seltsam vermurksten Flughafen, immer knapper wird, es geht doch immer gut mit dem Koffer, er kommt fast immer als einer der ersten, und dann greifen sofort die alten Reflexe: 211211 wählen, diese 25 Euro fürs Taxi sind ok, du möchtest jetzt keine S-Bahn fahren, 37 Minuten sind zu lang, die 22 Euro Aufpreis ein Luxus, den du dir immer irgendwie gerne leistet, es gibt schließlich auch einiges zu sehen auf der Fahrt.

Diese 15 Minuten von Fuhlsbüttel nach Altona sind die eigentliche Heimkehr – es ist der Moment des Eintauchens in das alte Leben. Natürlich bist du sofort versucht, auf deinem iPhone Google Finance, die Timeline und eMails zu checken, in genau dieser Reihenfolge geht es meist, Börse, Facebook, Mails, denn die Mails sind inzwischen langweiliger als die neusten Facebook-Posts, auch wenn die wiederum langweiliger geworden sind, weil gefiltert, aber du bremst dich, denn in dieser Viertelstunde siehst du Hamburg, selbst wenn es jetzt schon so früh dunkel wird, wie du es sehr selten siehst: mit einer gewissen Distanz,  Neugierde, mit den Augen eines Fremden, der du nicht bist.


Es ist der Vergewisserungsmoment. Ist das alles noch so, wie es war, als du verlassen hast, ist es nicht, dann ist es gut so, gut, dass du weg warst, ja, so ist das, 20 Grad im Balkan schlagen die 5-Gradnebelsuppe in Hamburg, aber nach einer Zeit reichen selbst die 20 Grad im Balkan nicht, weil dir der Rest fehlt: Nicht nur das Vertraute, sondern auch die 1000 Dinge, die du hier immer mal machen wolltest.

Wenn in Hamburg eines unterschätzt wird, dann die Weitläufigigkeit, die vergessen wir so gerne in unseren routinierten Sonntagsspaziergängen an Elbe und Alster, aber du kannst an guten Tagen auch mit dem Rad von Wedel nach Volksdorf  fahren, mehr als 50 km und mindestens zehn unterschiedliche Stadtteile sind das, oder einfach in die nächste Bahn steigen und nach Lüneburg oder Lübeck oder Ludwigslust fahren oder gleich nach Berlin oder wohin auch immer. Es gibt diese unzähligen Möglichkeiten im Kleinen. Natürlich gibt es die auch woanders im Großen, gewaltiger und bedeutsamer erscheinen sie, sobald du die Landesgrenze verlassen hast, und natürlich bleibt so alles ein ständiges Provisorium. In der Ferne fehlt die Heimat, und in der Heimat fehlt dir die Ferne.

Du weißt jetzt schon genau, wie das wird in den nächsten Tagen: An welcher Stelle das Gefühl des Ankommens sich in Routine verwandelt, ab wann es Alltag wird, ab wann Langeweile und das Taxi wieder in die andere Richtung fährt. Es ist nie perfekt. Jetzt hält es vor deiner Haustür, du schließt sie auf, die Wohnung ist aufgeräumter als du es in Erinnerung hattest, das Wlan geht noch, und eine kalte fritz Cola steht auch im Kühlschrank. Es ist alles da.

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2 Antworten to “Heimkehr.”

  1. click here Februar 1, 2013 um 3:11 am #

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    “Heimkehr. Social.fiction” was indeed a pretty pleasant article, .
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