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Die freundliche Nacht.

31 Aug

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Und wieder naht die Nacht. Wir gehen unsere Elbrunde, die in den verwinkelten Gassen von Blankenese beginnt, durch die Wälder führt, am Falkensteinerufer mündet und schließlich am Strandweg endet, seit Jahren ist das unsere Lieblingsstrecke an der Elbe, es wird einmal unsere Heimat werden, das haben wir vor vielen Sommern im Mondschein der Elbe am alten Schiffswrack beschlossen.

In diesem Sommer ist es noch nicht so weit, wir sind die Abtrünnigen aus Altona, die für ein paar Stunden dem Alltagstrott der Ottenser Hauptstraße, dem Donnerspark, Övelgönne und der Elbchaussee entfliehen – und zwar am liebsten am frühen Abend, wenn sich die Sonne senkt, der Himmel rosa färbt und sich am Bahnhof die Rich Kids of Blankenese vor Starbucks für den Abend eintrinken.

Die blaue Stunde vor dem Sonnenuntergang ist die schönste Tages, weil ganz Blankenese mit dem Essen beschäftigt ist und man außer einer Hundebesitzerin und den paar versprengten Joggern niemanden trifft, aber selbst die sind heute nicht unterwegs. Es hat vorher geregnet, es sind keine 20 Grad mehr, der alljährliche Sommerfrust hat Hamburg fest im Griff.

Mitte-Ende August: Das ist die Zeit des Jahres, in der alles still steht. Die Sommerferien haben die Stadt leer gefegt, und der Rest hat nach den verhangenen und verregneten 20-Grad-Tagen längst aufgeben. Dieser Sommer ist nicht mehr zu retten.

So flau die Tage sind, so mild sind die Nächte, in denen es kaum kälter als 15 Grad wird. An der Elbe spielte das keine Rolle, der Sommer wurde auch längst in der Gastronomie abgeschenkt. In der Kajüte S.B. 12, in der sich halb Blankenese auf eine Ofenkartoffel und Glas Chablis trifft, gibt es nach 21 Uhr keine warme Küche mehr, beim Bäcker, so heißt das Restaurant aus dem frühen 18. Jahrhundert am Leuchtturm, auch nicht, was allerdings an der geschlossenen Gesellschaft liegt. Wieder eine Hochzeit, wieder angestrengte hanseatische Geselligkeit. Zwei Aperol Spritz auf leeren Magen bekommen wir freundlicherweise trotzdem hingestellt.

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Auf dem Weg nach draußen werden wir von einem Range Rover geblendet, der direkt vor uns hält. Zwei Mädchen steigen hinten aus, dann die Beifahrer – zwei Jungs, die kaum älter als 18 sind. Der eine, marinefarbenes Jacket, trägt eine Flasche Moet, der andere, die Haare jetzt schon wie ein Accenture-Mann zurückgegelt, die Decken, die beiden Mädchen, geschminkt wie für das neue Taylor Swift-Video, einen Picknickkorb. Look what you made me do.

Wir könnten jetzt die 183 Stufen der Elbtreppe hochlaufen und zur S-Bahn gehen, aber die Nacht meint es gut es mit uns, es sind bestimmt noch 18 Grad bei sternenklarem Himmel, regnen soll es heute nicht mehr.

Endlich ist der Hamburger Sommer gut, es sind die Nächte, die ihn gut machen, die freundlichen Nächte, in denen man stundenlang an der Elbe entlang läuft, die blauen Sommernächte nach Mitternacht, an denen noch die Schiffe vorbeiziehen wie gutmütige Riesen.

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Es die Zeit des Jahres, in der man dermaßen live ist, alles aufsaugt, nicht aus der Konserve lebt und Vorräte aufbaut für die sieben Monate dazwischen, das kalte, graue Nichts zwischen Oktober und Mai. Das Schöne am August ist, dass alles egal ist. Der Sommer ist gelaufen. Es gibt keine Pläne mehr zu machen, nur der nächste Tag zählt, man nimmt mit, was man kriegen kann, denn was man jetzt nicht macht, das macht man ein Dreivierteljahr nicht mehr.

Wir gleiten durch das Dunkelblau zwischen Blankenese und Nienstedten, entlang an der Regatta, mit Blick auf Airbus auf der anderen Elbseite, wir lassen den letzten Urlaub zwischen der Algarve und den Alpen noch einmal Revue passieren, und zum ersten Mal in den drei Wochen, die wir wieder hier sind, fehlen mir die Berge nicht mehr.

Wir überlegen, welche Städte in Europa noch auf unsere Bucket Liste kommen, die zweite Reihe, Bordeaux oder Porto vielleicht statt zum x-ten Mal Paris und Lissabon, welche Alpenroute im nächste Sommer zumindest für ein paar Wochen den Versuch wert wäre, doch bevor unsere Wanderträume zu ambitioniert werden, meldet sich kurz vor Teufelsbrück der Rücken mit einem Stich zurück, und wir sind nach den knapp 15 Kilometern dankbar für den Schnellbus, der auch nachts noch fährt.

Zurück in Altona ist es am Busbahnhof zu grell, zu laut und überlaufen wie am Tag, es ist gleich ein Uhr, und die Nacht erreicht ihren Höhepunkt. „Was los, Diggi, ahnma!“ grölt einer. Rehbar, Red Lounge, Aurel oder direkt auf den Kiez, das wären jetzt die Optionen der Stunde, Optionen aus einer anderen Zeit. Für ein halbes Jahrzehnt war das mein Wochenende in Ottensen; ich hätte nie gedacht, dass der Tag kommen würde, an dem mir all das nicht mehr fehlen würde, an dem mir das so weit weg kommen würde wie das zwanzigjährige Klassentreffen.

Wir kämpfen uns durch den Strom der Betrunkenen und stolpern kurz vor Burger King fast über die Obdachlosen, die seit einiger Zeit auch vor den skandinavischen Läden kampieren, die in den letzten ein, zwei Jahren aus der Ottenser Hauptstraße geschossen sind, als wollten sie Ottensen zurück nach Dänemark verorten. Es hat sich auch einiges verändert in Ottensen, ich weiß nicht, ob zum Besseren.

Beim Dönermann unseren Vertrauens bestellen wir zwei Dürüm Döner und sitzen auf der Bank zur Ottenser Hauptstraße, als wäre es die leergefegte Version der Schanze. Der Dönnermann kommt heraus, bringt die gerollten Wraps, bleibt einen Moment am Tisch stehen und zuckt die Schultern. „Nichts los. Alle im Urlaub“, sagt er schließlich.
„Oder zu Hause“, entgegne ich.
„Oder zu Hause“, wiederholt der Dönermann.

Im Hintergrund läuft ein Song aus dem neuen Jay-Z-Album 4:44. Marcy me. Streets is my artery, the vein of my existence. Bevor ich ihn fragen kann, ob das seine Playlist oder Radio ist, ob er zu 4:44 eine Meinung hat, steht ein neuer Kunde in der Tür und will einen PommDöner. Dann platschen die ersten dickeren Tropfen auf den Tisch, wir lassen die angebissenen Döner zurück in Tüte fallen, ziehen die Kapuzen hoch und treten den Heimweg an. Mehr gibt es nicht zu tun in diesem Sommer in Hamburg.

 

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A Short Story about my Bike.

15 Aug

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This is my Bike. It’s a Raleigh, a mountain bike. It’s the oldest item in my life that I still use on a regular basis, it’s older than my oldest Mac – and I bought 6 Macs over the last 20 years. I got my Raleigh in 1995 for approximately 1500 DM. There’s still a sticker on the Bike: Zweiradhaus Ehrig. It dates back to the days of double digit postal codes: 2000 Hamburg 67.

I rode 10,000s of kilometers all over Germany and it still makes me tremendously happy to feel the warm breeze through my hair when riding on rare, real summer days like these lately. I feel alive. Precisely, there are few things in life that bring me so much joy. It’s a pure kind of joy you know from your childhood days.

I tend to forget about the joy that riding my Bike brings, though, in the cold winters and autumn season, but once the real summer takes over there’s almost nothing like taking a 50+ km kilometer ride along Elbe River or through the countless green valleys, incredible nature parks, forests and creeks that make Hamburg such a special city.

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I ride. And I still love the sound of a clicking pedal as if it was the first time.  A great ride is like a great trip. Holidays for a day. It’s the best travelling ever. You see so many things passing you by. It clears your mind. Quite often, I get new ideas on the Bike.  After a 4-5 hours of riding, you feel like you have achieved something.

We have come a long way together. My Bike has seen the good times, when you felt you never wanted to touch the handlebars again, the happy times, it has seen the bad times as well, the ugly times when I kept going for hours in the rain, just kept riding without a goal, without a route, just to get away. Moving is living, you know.

It has always been that way: I kept on floating, exploring, not knowing where things will lead me – quite often like in life itself. My happinest rides where in pre-iPhone age. You start, you follow your guts, you don’t know where it takes you, there was no Google Maps on your mobile before 2007, just your inner-GPS – and that didn’t even fail in the darkest forests of Bavaria.

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My Bike is a lot like me. We ride. We fail. We turn. We ride again. I’ve discovered almost everything in Hamburg through my Bike, and probably the beauty of this discovery kept me ‚til this day from taking a driver’s license. (I even wear for some very un-German reasons a jersey of Discovery Channel, but that’s a different story and the 2003 Tour de France plays a major role in it – see below.)

I guess, I must be considered a difficult Biker. I mostly like to bike alone at my own pace. I never bike for things to the next supermarket. I never bike 5 km to meet friends. I ride tours – or I don’t ride at all.  I don’t consider my bike a Fortbewegungsmittel, a vehicle – it’s rather a travel companion. Like in so many other times in life, I’m all or nothing when it comes to biking. Meaning: A full packed 40+ km km tour or nothing at all. I don’t get a kick out of cruising along the Alster at runner’s pace. In the end, a great ride is an adventure. I always felt that way.

The last summer before moving out I spent with my brandnew Raleigh at Tunneltal, which is kind of an inside thing and you will not find in a travel guide. It has its own magic if you grew up in the area of North-East Hamburg.  Of course, my Bike took me countless times all along the Elbe where I still prefer meandering through the Vier- und Marschlande at the lower part, starting at Mittlerer Landweg, than taking a ferry over at the other end and crusing through Das Alte Land.

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My favorite ride, though, is always the one home through the underrated North-East of Hamburg where I grew up: starting at the Ohlsdorf cementary – Europe’s biggest park cemetery actually –, rolling all along the Alsterwanderweg heading in a big circle to the Alster spring bordering to Schleswig-Holstein, ending at Volksdorf. Or even better: Taking the high road from down South up North starting from Bergedorf along the Bille through the grove ‚til Reinbek, Glinde, Stellau and Stapelfeld, returning home via Rahlstedt.

When riding through kilometer-long wheat fields accompanied by the chirping cicadas, I feel like in a Springsteen song: With a wide open Country in my Eyes. And these romantic Dreams in my Head.  In the end, nostalgia always gets me. There is no feeling like coming home.

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For quite some time I wanted to trade my Raleigh for a hot, lean, mean Bianchi tracking bike. I was ready to order and spend some 3K on it, but it never happened. One season, my desired model wasn’t available, the other season I moved to Munich.  And then, two years later, I had the crash of my life in the Italian Alps with a rented bike those brakes were as sharp as scissors. It me hit with 40 km/h on a stony path when a dog tried to bite me – panic is always the wrongest impulse.

One stone ended up in my chin, another one in my elbow next to the bone. Until this day, I never knew these different stages pain could bring. I still have the scar on my chin, it’s quite visible until today. ‚Every winner has scars‘, an Austrian friend of mine used to quote on her Facebook. I like that quote.

Speedin'

 

While the crash didn’t kill my passion, it killed kilometers. Like crashes at the stock market, I couldn’t get this thing out of my head. A season later I failed hitting the 1000 km mark which I easily took the last five years. The other season again. The next season I stopped counting. Nowadays, I’m happy for two back-to-back 50 km rides. I get older, you see.

I always dreamed of going up Alpe d’Huez, but once I rode up by car, I knew it would be a dream forever. (It’s ok to leave some dreams for later, I told myself that day.) I never went for the light racing bikes, I was always an explorer, that’s why a mountain bike did it for me. (Hamburg and mountains, you get the idea.)

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That might explain why I was obsessed with mountains. I followed Le Tour, in the heyday of Jan Ullrich and Lance Armstrong. I cheered for Jan, of course, and ‚til this day can’t understand how he lost the Tour in 2003.  With this comeback, Armstrong got me, though: this 15th stage up to Luz Ardiden might be one of the biggest comebacks in sports history.

With Ullrich and Armstrong out, I stopped following. I frankly don’t care about Nibali, Froome, Wiggings or Contador. Four years ago, I finally made it to Champs-Elysées, watching Cadel Evans win his meilleur jaune. While I didn’t care much about Evans either, it felt good finally visiting the last meters of Le Tour that once meant so much to me.

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But my love for biking and my Bike has never vanished. For me, to some extent, biking is living. You see: My Raleigh has never disappointed me. About whom can you say that after 20 years?

Das Junilicht.

17 Jun

Weißt du noch, wie das war, damals, als die letzten, die allerletzten Klausuren geschrieben und die mündlichen Prüfungen abgelegt und die Zeugnisse endlich verteilt waren? Der 17. Juni. Das Ende von etwas. Der letzte Tag vor dem Aufbruch ins Leben. Ein letztes Mal hat jemand eine Ansprache gehalten, die keinen interessierte, und danach haben sich alle noch gegenseitig etwas in die Jahrbücher geschrieben, das netter war als die gemeinsame Zeit, denn man hatte schon damals ein Gefühl dafür, dass etwas zu Ende ging, obwohl man noch kein Gefühl für die Zeit hatte.
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Du hattest auch kein Gefühl für den Augenblick, denn dann bist du, wie die Hälfte der Klasse, um 22 Uhr abgehauen, weil Deutschland gegen Bolivien spielte, die WM hatte begonnen an diesem Juniabend, als die Schule zu Ende war. Aber das war dir egal, weil du es nicht erwarten konntest, mit diesem Kapitel deines Lebens abzuschließen, weil du bereits ein Neues aufgeschlagen hattest. Einen Sommer lang warst du im Tunneltal, hast gelesen und geschrieben, hast Hemingway und Fitzgerald entdeckt, das war dir wichtiger als andere Entdeckungen damals, der Traum war so groß. Es war ein langer, warmer Sommer, einer der zwei, drei wärmsten, die du erlebt hast, 25 Grad jeden Tag von Juli bis September, was für eine Zeit.

Das Junilicht (2).

Ein Kollege hat später, viel später, mal gesagt, dass die Magie der Schulferien darin liegt, dass man danach ein Jahr älter wurde, weil man diese sechs Wochen Zeit hatte, über das Leben nachzudenken und Dinge zu tun, die man danach ein Jahr nicht tun konnte, und ein Jahr später tat man sie auch nicht mehr, weil man ganz andere Dinge tun wollte, die einen wieder ein Jahr älter werden ließen. Die Vorfreude kündigte sich bereits im Mai an, wenn die letzten Klausuren geschrieben waren und man wusste, dass die beste Zeit des Jahres bald vor einem liegen würde.

Das Junilicht (3).

Man würde mit den Eltern zwei Wochen nach Italien fahren, aber die restlichen vier Wochen hatte man für sich. Man würde mit dem Rad fahren, jeden Tag ein bisschen weiter und wieder etwas Neues entdecken, neue Pfade, neue Orte, neue Seen, die man dann seinen Freunden zeigte und irgendwann auch den Mädchen. All das lag vor einem im Juni. Der ganze Sommer, der ganze endlose Sommer mit seinen weißen Nächten, das ganze Leben.

Das Junilicht (5.)

Du glaubtest an das blaue Licht dieser Juninächte, das noch um 23 Uhr leuchtete und um drei Uhr schon wieder, das blaue Hamburger Junilicht, das nie erlosch. Du glaubtest an die strahlende Zukunft, die vor dir liegt, aber doch Jahr für Jahr vor dir zurückweicht, du glaubst noch heute daran, 20 Jahre später.

Und so blicken wir in den Rückspiegel, lassen uns den Fahrtwind durch die Haare wehen und navigieren doch stetig zurück – dem Vergangenen zu.

The Autumn of Roger Federer.

4 Sep

First things first. I’m the biggest Federer fan you can imagine. Which means, if you were born like me in the 70’s, quite a lot. I grew up watching McEnroe, Connors and Lendl duelling each other even before we saw an unprecedented tennis boom in Germany with Boris Becker and Steffi Graf. And while I was never nuts about Boris since it was usually painful to watch his childish behaviour on and off court, I spent most of the 90’s cheering for Agassi. Andre was always my hero, even though Sampras beat him most of the times terribly. Then Sampras aged fast and Agassi came back from the dead just to battle in the autumn of his career with this new kid from Switzerland.

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At first, I didn’t take Federer seriously. Ok, he beat Sampras in 2001’s Wimbledon, but everyone had its lucky day. He lost the next day to Henman (Tim Henman, seriously!) and didn’t win anything the next year. But then Roger had his breakthrough in 2003 with the first Wimbledon victory. I changed my mind about Federer after the US Open Quarterfinal against Agassi in 2004. I so wanted Andre to win the Open just one more time, but this Swiss played tennis from another planet.

It was chess on court, executed with the most elegance tennis had ever seen. Another generation had taken over. Federer reminded me of Sampras just that he won the rallies from the baseline. The second half of decade was Roger’s to win. Like no other player before, he dominated the scene. It’s fair to say Federer is the best player of all times, most stats – including 17 Grand Slams Titles – will back-up this thesis.

But nothing lasts forever. First it was Nadal, then Djokovic, then even Murrary – and now Robredo at the US Open. A straight 3 set-loss in the 4th round that seemed unthinkable just a year ago when FedEx still reigned the world as #1. I’m not entirely surprised, though. When I finally watched Roger on the Centre Court of Rothenbaum at the Hamburg Masters this summer, he reminded me very much of Stefan Edberg, John McEnroe or Ivan Lendl in their final year on the tour. Federer’s strokes are still brillant to watch – if you are looking for shots from the playbook, watch Roger. Just skip every second one, which he missed like I have never seen him before.

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It was painful to watch the former  #1 struggle so badly against the German #3, Florian Mayer, #45 of the world, who in Federer’s best days had won a game or two at best. This July evening, Mayer won the 2nd set, leading 5-1 and even 5-4 in the third before Roger pulled his act together one more time like he did so often in his career, just the opponents changed. While in his best times, the only surface to beat Roger was clay,  it seems these days as if every match on clay could be Roger’s last. The next day he lost to qualifier del Bonis in two tie-breaks. I was not surprised. This would have not happened one or two years ago.

There is never such a thing as a happy ending in sports. All great athletes retire way after they had reached their peak. But some declines are faster than others. Roger’s acclereated this year faster than expected. He battled with Nadal for years for the crown. Then Djokovic came from nowhere. Now even Andy Murray surpassed him clearly. And due to the two month break in spring and the early loss in Wimbledon even David Ferrer, Berdych and Del Potro did so. It wouldn’t surprise to see Roger dropping out of the Top Ten by the end of the year.

If Federer continues to play for another 2-3 seasons like he hopes for, still hitting hard with 35, his last years on the tour could turn into one long lesson in humility. Federer has always proven to be such a player – very humble and generous. Even after his unflattering quarter final victory against Mayer, he paid tribute to the German. I’ve seen no other athlete more humble than the Swiss.

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Still, it hurts to see FedEx in free fall these days. Federer, like no athlete in the last decades, dominated his sport. He defined modern tennis – more than Sampras, Lendl or McEnroe. Federer was the complete player. 2013 Federer transformed into something else: An aging giant whose time has come. At some point this summer an unknown feeling emerged watching the Swiss perfectionist: You started to feel sorry for Federer.

While there’s nothing terribly wrong about his game these days – he just needs way too many chances and produces one unforced error after another. He’s a different player by now than the one that won Wimbledon seven times. All these straight losses against players like Tsongas, del Potro, Robredo, players he dominated for a decade easily, and then those unexplainable defeats by no names like Benneteau, Stakhovsky, Brands – players on the tour you ain’t even heard of. Suddenly, it’s getting terribly late in the game…

While I do think, it will be tough to grab another Grand Slam title, history has proven often enough, there’s one last punch left. I still think, Roger could make it into a Grand Slam final one last time. Just like Agassi did in 2005’s US Open when he was already 35. Almost a decade later, at 32, Federer is following Agassi’s path. In the end, that might be as much as there’s left for FedEx. And yet – just how lucky we have been to witness the most amazing player ever in our time.

Der Monat, den es nicht gibt.

17 Jan

Der Dezember gleicht einer kompletten Überforderung: Alles noch fertig bekommen, bevor die Welt untergeht. Das passiert, wenn es schon nicht am 21.12 passiert ist,  dann nämlich nach dem 1.1.: Mindestens zwei Wochen passiert überhaupt nichts. Wer nicht im langgezogenen Weihnachts-Silvester-Neujahrs-Ski-Asien-oder-was-auch-immer-Urlaub steckt, ist krank. Das passiert immer Anfang Januar. Der Akku ist leer, es ist ja auch irgendwie egal, einfach.

Der Januar ist also der Prügelknabe für alles. Die Hälfte des Monats gibt es Nachbereitungen des Vorjahres. Noch mal schnell Best-of-Alben bei Facebook hochladen. Den Weihnachtsbaum entsorgen. Geschenke umtauschen. Gute Vorsätze suchen und sie über den Haufen schmeißen.

Der Januar hat keine Chance auf etwas Eigenes. Er ist ein Monat ohne Konturen. Ein Übergangsmonat. Ein unbeschriebenes Blatt, das nach einem Anfang für seine Geschichte sucht – was oft genug nach den ersten Sätzen zu Überinterpretationen führt. Ist der Jahresbeginn schlecht, weil er erkältet beginnt oder die Aktien fallen? Kein Wunder: Der depressivste Tag des Jahres liegt natürlich im Januar. Hallo, Blue Monday.

Es ist ja nicht mal richtig Winter, selbst wenn es kalt ist. Es könnte auch November oder März sein, wie immer in Hamburg, der Stadt ohne Jahreszeiten. Aber immerhin, nach zwei Wochen, kommt doch etwas etwas Farbe ins Spiel. Die Australian Open haben am anderen Ende der Welt begonnen. New Balls, please.

Die Schmerzensmänner von St. Pauli.

30 Nov

Das ging daneben. Bianka Echtermeyer wollte eine lustig-bissige Kolumne über die Schmerzensmänner von St. Pauli schreiben, die statt Mix-Tapes aufzunehmen, Skateboard fahren. Doch statt der alternden Jungs mit dem ergrauten Haar ist sie kräftig auf die Nase gefallen. Der Shitstorm sucht seines gleichen.

Wie konnte das passieren? Die Antwort auf die Frage  – nennen wir sie trotzdem fiktiv – ist schnell rekonstruiert. Bianka Echtermeyer schreibt bei Brigitte.de eine Kolumne zum Thema Männer. Allerspätestens seit Sex and and the City ist das der Traum jeder Kulturredakteurin. Männer gehen immer. Männer, dieses Mysterium, erklärbar machen sowieso.

Problem Nummer eins dabei: Nicht jede Kolumnistin ist Carrie Bradshaw. Problem Nummer zwei: Nicht jeder Mann Mr. Big. Problem Nummer drei: Hamburg ist nicht New York. Also werden aus wild durch die Gegend vögelnden Wall Streetern wild durch die Gegend skatende Schmerzensmänner jenseits der 25. In einem Wort: Ein Nonevent.

Skater's Paradise

Es mag nun tatsächlich ein paar dieser Exemplare geben, genauso wie es die ewigen Schanzenjungen gibt, wie den Pöseldorfer Schnösel und den Blankeneser Edel-Proll. Alles gesehen, alles bekannt. Und auch Rants mit Schleifchen, wie diese am Ende auch nicht wirklich böse Abrechnung, gibt es jede Woche von Glamour bis Für Sie zu lesen. Männerzeugs für große Mädchen und solche, die sich insgeheim gerne für etwas Besseres halten, eben. Was man so bei Balzac am Nachbartisch bei Latte Macchiato hört.

Ergo: Es geht gar also nicht um den Skater. So viel beinharte Skaterfans, wie sie sich im Brigitte.de-Forum tummeln, hat St. Pauli noch nie gesehen. Es geht auch eher nicht um Bianka Echtermeyer, die bis gestern wohl nur Brigitte.de-Leserinnen bekannt war. Sie ist 37 Jahre alt und arbeitet schon länger für Brigitte.de – als Redakteurin im Ressort „Zeitgeschehen“. Dort schreibt sie über Männer, die mehr Sex wollen als ihre Partnerin, schreibt ein paar Stichworte zur Petraeus-Affäre auf und erklärt, warum Bergwandern nun auch „bei jüngeren Leuten angesagt ist“.

Kommentare dazu: 0. Kommentare zu den skateboardenden Schmerzensmännern von St. Pauli: Binnen 24 Stunden 1700 – die gefilterten nicht mitgezählt. Es geht also offenbar um etwas anders. Um was? Lesen wir bei Bianka Echtermeyer noch mal nach:

Skateboards gehören zu kleinen Jungs. Basta. Nicht zu Menschen, die selbst Steuern zahlen und beim Orthopäden in Behandlung sind. Falls sich Männer über 30 austoben wollen, können sie gern schnelle Autos fahren, Fußball spielen oder auf Bäume klettern. Das stört mich nicht. Aber lasst bitte die Skateboards in Ruhe. Ich laufe ja auch nicht im rosa Tutu über die Straße. Aus manchen Dingen wächst man einfach raus: Das ist nicht spießig, das ist so. Und ehrlich: Erwachsen sein ist gar nicht schlimm. Versprochen.

Was man halt so schreibt, wenn 25 Zeilen zu füllen, der Tag schon wieder halb herum und das eigene Leben – vielleicht – ein bisschen langweilig ist. Wie gesagt: Nennen wir es Spekulation. Social Fiction.

Natürlich sind die Männer-Klischees nicht die allerschönsten: Schnelle Autos, Fußball spielen und Honk – nicht Hank – sein. Und: Frauen, die sich selbst mit „ist so“ bestätigen, vom Erwachsensein erzählen und phrasenhafte Versprechen abgeben, sind immer suspekt. Wahrscheinlich wünschte Bianka Echtermeyer am meisten, sie hätte diese beliebigen Klischees nie so heruntergerotzt.

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Warum aber nun dieser epische Shitstorm? Warum diese Wut? Warum diese Häme? Woher die Häme? Es sieht ganz so aus, als würde sich an diesen gerade mal 200 Wörtern etwas Tieferliegendes entladen: die Ablehung eines Weltbilds, das unausgesprochen als Subtext mitschwingt. Der Mann als Ernährer, der Kohle ranzuschaffen, aber sonst die Klappe zu halten und schon gar nicht vermeintlich peinlichen Hobbies nachzugehen hat. Am Schlimmsten aber: Die So-hat-der-Mann-zu-sein-Denke.

Dass sich Brigitte.de mit so einer Haltung wenig Freunde und Freundinnen machen würde, war absehbar. Dass die Redaktion die Glosse indes bis weit über die Haltbarkeit verteidigt, Zickzack fährt und mitunter sogar zurückkartet, ist der eigentliche Grund für den Shitstorm epochalen Ausmaßes.

Ironie der Geschichte:  Bisher war der Fall „Brigitte“ ein Musterbeispiel dafür, wie Social Media funktioniert. Man erinnert sich: Da war doch was, die Model-Abstimmung des Versandhändlers Otto, bei dem ein 22-jähriger Student in Frauenkleidung als „Brigitte“ gewann. Otto spielte das Spiel mit, die Community jubelte. Nun gibt es den zweiten Fall Brigitte: Der Gegenentwurf, der Epic Fail, wie Social Media eben nicht funktioniert. In seinen Dimensionen ist er noch mal bei MEEDIA nachzulesen.

The Autumn Leaves. (Hamburg, 2011/12)

27 Nov

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„The falling leaves drift by the window / The autumn leaves of red and gold“

The whole Hamburg Indian Summer is to be found on flickr.

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