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Älter werden mit Juli

27 Aug

Es ist nicht so einfach, Juli zu mögen, im Grunde macht man sich ja nicht so wirklich viele Freunde mit der Band. Juli sind fraglos besser als Silbermond, aber textlich viel schwächer als die Helden und musikalisch als Mia.

Dabei könnte man es belassen. Oder auch nicht. Das liegt an der Sängerin, Eva Briegel. Eva ist ja eine ganz Tolle – gerade weil sie das nicht ist oder sein will. „Wir wollen nicht die Besten sein“, heißt es irgendwo trotzig. Sind sie auch nicht. Eva ist nicht besonders eloquent, bekommt auf der Bühne kaum eine Geschichte ordentlich erzählt, ist eher nicht so streetsmart, kommt aus Gießen und ist eben keine kokette Schickse. In anderen Wort: Eigentlich uninteressant.

Aber genau das ist am Ende das Interessante. Es sind nicht immer die Megan Foxe, Nora Tschirners oder, wenn man jünger ist, Lenas, die einen faszinieren. Eva Briegel ist der Gegenentwurf, dass das Unperfekte manchmal das Interessantere sein kann, selbst wenn sie gegen Lena fast bemitleidenswert uncool und schon fast alt wirkt, obwohl das natürlich quatsch ist mit 31.

Gerade deshalb schaut man gerne zweimal hin, wenn es wieder etwas Neues gibt von Juli, die zunächst studentisch unbeschwert, dann angenehm ambitioniert daherkamen. Leider ist davon auf der dritten Single Elektrisches Gefühl nicht so richtig viel zu finden. Elektrisches Gefühl hört sich wie ein Ich+Ich-Titel an und klingt wie die B-Seite zu Dieses Leben. Das ist nicht wirklich schlimm, aber ziemlich schade, wenn man bedenkt, dass diese Single schon wieder vier Jahre her ist.

Vier Jahre sind aber eine lange Zeit: Vier Jahre ist die Zeit zwischen zwei Weltmeisterschaften, vier Jahre sind eine sehr lange Zeit, wenn man dabei die magische 30er-Grenze überschritten hat. Menschen können dann komisch werden, manchmal, weil das Alter eine bestimmte Dimension anzunehmen beginnt.

Ich habe damals angefangen, Juli wahrzunehmen und dann sogar zu hören, das ist vielleicht schon komisch genug. Juli selbst klingen heute genau so – so, als wollten sie klingen wie vor vier Jahren. Aber das ist ein bisschen so, als würde ich heute noch im Nouar abfeiern. Was vorbei ist, ist vorbei. Und niemals wird’s so werden wie es war.

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