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Fünf Jahre.

30 Jun

Keine Frage: Das iPhone hat die Welt verändert. Es gibt kein Stück Elektronik, das ich Jahr für Jahr bereitwilliger erneuere, obwohl es weiter problemlos funktioniert. Aber was passiert eigentlich, wenn man das fast eingestaubte, erste iPhone aus dem fernen 2007 wieder aktiviert?

Eine Zeitreise beginnt. Mich beschämt es ein bisschen, die alten SMS zu lesen, die auch ohne SIM-Card auf dem ersten iPhone gespeichert sind, die meisten stammen von der Ex-Freundin, man sollte so etwas nicht unbedingt noch mal sehen. Das trifft auch teilweise auf die Fotos zu: Mehr als 3000 Fotos, alle noch da – gute Zeiten, schlechte Zeiten: Moskau-Bilder, New York-Bilder, Mick Jagger in einer Andy Warhol-Austellung, ich selbst auf dem menschenleeren Roten Platz nachts um vier. Bilder, die ich länger nicht mehr gesehen habe, denn mit der dritten iPhone-Generation im Sommer 2009 habe ich mich von der Altlast getrennt, der Speicher war voll, genau wie im richtigen Leben.

Nun also noch mal zurück in die Zeit von 2007/08, als die Welt noch nicht ahnte, dass sie ein Jahr später im Zuge der Lehman-Krise eine komplett andere werden sollte. In einem sentimentalen Anflug schicke ich mir ein Bild aus Hyannisport, das Sekunden später problemlos auf einem iMac erscheint.

Wenige Tage nach dem Lehman-Crash war ich an der Wall Street, dann etwas Entspannung in Neuengland, kurz bevor Teddy Kennedy starb, ich bin aus Versehen durch den Garten gelaufen an jenem Indian Summer-Nachmittag im September, die letzten schönen Tage. Das Schild No Tresspassing war umgekippt. Danach aufgebrachte Sicherheitskräfte, die lächeln, als sie mein iPhone beim Abtasten entdecken. „Good choice“, sagte einer, 2008 schon. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Die Kolumne zum fünfjährigen iPhone-Geburtstag gibt es bei WELT Online.

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