Tag Archives: Postira

Die letzte Fähre.

15 Sep

Und dann sitzt du wieder am Fenster, der Fensterplatz schlägt immer den am Gang, aber es ist anderes Fenster diesmal, Germanwings, Pristina, denn wenn es nicht etwas Neues ist, ist es kein Abenteuer, nicht wahr?

Pristina Boarding

Du versucht dich zu erholen von dieser verstörend grauen Stadt aus Asphalt, Geröll und einer der traurigsten Vergangenheiten, die die Welt in den letzten Jahrzehnten gesehen hat, du versuchst das abzuschütteln wie den Abschied jetzt.

Pristina Crossroads

Du siehst auch hier beim Abflug Hügel, die zu geschwungenen Linien werden, zu braunen Wellen mit Klecksen darin, es ist nicht anders als in Tirana, es ist nicht anders als im Wagen, nur die Linien sind größer und die Schwünge dort weiter, und die warme Luft fügt alles zusammen, den ganzen Sommer in seinen Einzelteilen, Tirana, Budva, Kotor, Dubrovnik, Split, Brac, Postira, Bol, Herceq Novi, Tivat, diese Fähre durch den Fjord von Kotor, die auch mitten in der Nacht fährt, die immer fährt, und das eine Ufer mit den anderen verbindet, 30 km in 5 Minuten gespart.

Ferry Girl

Du denkst an dieses Auf-die-Fähre-Fahren als den einen Sommermoment, es gab hundert andere, aber dieses Bild kommt als erstes, wenn du jetzt an diesen Sommer denkst, an diese drei Monate, schaffen wir das noch, schnell das Ticket, 4,50 EUR für 5 Minuten, wir schaffen es immer, bis auf das eine Mal um halb drei nachts, als die Fähre abfährt, als ich das Ticket kaufe, drei mal Tuten, dann legt sie schon ab, dann wird das blaue Dreieck, das auf den Porto Montenegro hinweist, zum Fleck in der Landschaft, so wie der Kieselstrand am anderen Ufer näher rückt, du kannst den Balkon von der Fähre aussehen, auf dem die australischen Camper gesehen hast, die den Fjord umrundet haben auf dem Weg wer weiß so hin…

Summer Balcony

Wenn du in ein paar Wochen einmal wieder auf ein paar der 3000 Sommerbilder auf deinem iPhone schaust, dann tust du das schon mit einem anderen Gefühl, dann haben sich die Bilder schon verändert, dann hat die Nostalgie einen neuen Filter über die Bilder gezogen, intensiver als Instagram, abgelegt im Ordner Sommer 2013, verklärt mit dem Soundtrack des neuen Jay Z-Albums und des halbneuen von Lana del Rey, es ist wichtig, dass alles seine Zeit und Zeilen hat, das ist der Soundtrack des Sommers.

Summer.

Wir haben Holy Grail und die Paradise Edition von Born to die gehört, als uns der Sommerwind am Fjord durchwehte, Erinnerungen brauchen nicht nur Bilder, sie brauchen auch die richtigen Songs. Wenn du halb betrunken bist, singst du diese paar Zeilen mit, die du behalten hast, obwohl Singen das Letzte ist, was du kannst, das Allerletzte, und du froh bist, wenn dich niemand daran erinnert, vollkommen zusammenhangloses Zeug:  „1 Million, 2 Million, 3, Million, 20 Million – oh I’m so good at math“, johlt Jay Z, das ist genauso selbstverliebter Blödsinn wie Lanas „My Pussy tastes like Pepsi Cola“, aber das sind die Zeilen, die hängen bleiben, warum auch immer.

Summer Farewell

Was noch hängen bleibt, ist der Justin Timberlake-Hook, „And Baby, it’s amazing I’m in this stage with you…, one Day you here, one Day you’re there… “ Die richtig guten Sachen, John Mayers Battlestudies, behälst Du nicht, außer „All we ever do is say Goodbye“, das ist Programm, so wie Battlestudies Programm ist zwischen der Grenzen von Albanien und Montenegro, es ist längst eine Tradition.

The last Ferry

So ist es jedes Jahr, so ist es immer wieder, das Vergangene bekommt ein Gewicht, das es damals vielleicht nie hatte, es bekommt diesen Schleier umgelegt, das weißt du, als auf der Fähre in den Fjord schaust, in dem sich der Mond spiegelt, du weißt, das ist so ein Moment, der in Gedanken eingerahmt wird, der bleibt, du weißt das, als der Mond den Fjord trifft, aber ein Foto davon gibt es nicht, weil du es verpasst hast, eins zu schießen, in diesem Moment, der größer ist als ein iPhone-Foto.

%d Bloggern gefällt das: